Stärke Deine Stärken & nehme deine Schwächen an!

Stärke Deine Stärken und nehme deine Schwächen an?

„Papa, ich bin schlecht in Mathe. Und Erdkunde kann ich auch nicht.“ Und ich hab‘ keinen Bock auf Häkeln und Nähen. Wozu muss ich das können?“

Ich zwei Kinder. Zwei wunderbare Jungs, auf die ich sehr stolz bin. Nicht, weil sie jetzt irgendetwas besonders gut könnten, sondern einfach so. Für mich sind sie gut so, wie sie sind. Mit all ihren Stärken und Schwächen.

Neulich am Essenstisch hätte man jedoch den Eindruck gewinnen können, beide sind mit Schwächen übersät und kennen gar nicht ihre Stärken. Worum ging es? Natürlich um die Schule! Obwohl ich ein vehementer Gegner unseres Schulsystems bin, versuche ich, sachlich zu bleiben.

Die beiden hatten Arbeiten zurückbekommen. Ich glaube, der Große hatte eine 4 und der Kleine eine 2. Das spielt aber auch gar keine Rolle. Ich habe meine Kinder darüber aufgeklärt, dass die paar (oder vielen) Fehler in den jeweiligen Klausuren überhaupt nichts über ihre jeweiligen Stärken und Schwächen aussagen. Fehler sind gut. Zumindest im wahren Leben. Nur durch Fehler lernen wir. Bestraft werden diese zumeist nur in der Schule.

Aber keine Sorge, meine Jungs lassen sich kaum von irgendwelchen Schulnoten beeinflussen. Nichts soll sie aufhalten. Der Große möchte Fußballmanager werden und der kleine Youtuber. Falls letzteres nicht klappt, dann eben Fußballprofi…:-)

Was sind überhaupt Stärken und Schwächen?

„Das, was ich gut kann sind meine Stärken und das, was ich nicht so gut kann, sind meine Schwächen.“

So vereinfacht dargestellt, habe ich das meinen Kindern neulich erklärt.

Ganz so einfach ist es nicht. Das musste ich bei meiner sehr umfangreichen Recherche zu diesem Artikel feststellen. Aber da dies keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern lediglich ein Leitfaden für das Verständnis eines ausgewogenen Stärken-/Schwächen-Verhältnisses sein soll, möchte ich nicht ausufern.

Selbst im Netz habe ich über dieses Thema ganze Aufsätze gefunden, die sich mit der Frage befassen, ob es überhaupt so etwas wie Stärken und Schwächen gibt. Wie diese korrelieren oder ob es nicht einen ganz anderen Zusammenhang gibt, der sich uns bisher noch gar nicht in seiner vollen Breite erschlossen hat.

Fürs Erste möchte ich es gerne hierbei belassen:

„Das, was ich gut kann, sind meine Stärken und das, was ich nicht so gut kann, sind meine Schwächen.“

Lediglich eine Frage sollten wir uns in diesem Zusammenhang stellen:

Ist nicht jede Schwäche eigentlich eine verborgene Stärke?

Das ist die häufigste Frage, die immer wieder gestellt wird.

Der Grundtenor: „Arbeite lieber an deinen Stärken, als an deinen Schwächen!“

Die Kritik Nr. 1: „Sind nicht alle Schwächen gleichzeitig nur versteckte bzw. übertriebene Stärken, so dass es eigentlich gar keine Schwächen gibt?“

Die Kritik Nr. 2: „Sind Stärken und Schwächen nicht nur relativ und liegen im Auge des Betrachters?“

Zur Kritik Nr. 1:

Das sehe ich nicht so! Natürlich gibt es viele Beispiele für versteckte oder übertriebene Stärken. Nehmen wir eine Person, die wir als sehr pedantisch betrachten. Jemanden, dem wir anscheinend nichts recht machen können. Zeigt nicht diese vermeintliche Schwäche „Pedanterie“, dass die Person sehr ordentlich und gewissenhaft arbeitet? Ich denke schon. Dieser jemand achtet peinlichst genau darauf, keine Fehler zu machen. Er arbeitet sehr strukturiert und prüft lieber einmal mehr, als einmal zu wenig. Versteckte bzw. übertriebene Stärke? Ja, auf jeden Fall.

Aber was für eine versteckte oder übertriebene Stärke soll es sein, wenn ich beispielsweise total unsportlich bin. Wenn ich (als gesunder Mensch) weder eine Rolle vorwärts machen, noch Fußball spielen kann. Weder Langstrecke laufen noch sprinten kann. Wenn ich im Sportunterricht immer als letztes gewählt werde, egal ob beim Brennball, Handball oder Hallen-Halma. Ich kann hier beim besten Willen keine davor- oder dahintergelagerten Stärken erkennen.

Zu Kritik Nr. 2:

Auch hier bin ich zumindest skeptisch. Nehmen wir als Beispiel den Egoismus. Stell dir vor, du bittest jemanden wiedeholt um einen Gefallen, und derjenige lehnt ab. Als Begründung führt er ehrlicherweise an, dass er keine Zeit hat. Du denkst: „Was für ein Arsch, für jeden hat der Zeit, nur für mich nicht.“ Er aber denkt vielleicht: „Warum macht er das denn nicht selbst? Das könnte er ohne Weiteres mit wenig Aufwand selbst erledigen. Er möchte es sich nur bequem machen.“

Wie du siehst, kommt alles nur auf die Perspektive bzw. den Zusammenhang an. Jemand der in deinen Augen mit der Schwäche „Egoismus“ zu kämpfen kann, empfindet sein „Selbstbewusstsein“ vielleicht als Stärke.

Nimm deine Schwächen an – Niemand ist in allem gut

Fühlst du dich minderwertig und schämst dich für deine Schwächen und deine (vermeintlichen) Makel? Bist du stets darauf bedacht, es allen recht zu machen und versuchst, in allem mindestens gut zu sein?

Und genau hier bin ich wieder bei meinen Jungs und der Schule. In der Schule wird uns suggeriert, dass wir in wirklich allem gut sein müssen. Denn wenn wir nicht gut sind, führt das zu schlechten Zensuren, Ärger mit Lehrern und Eltern, schulischem Abstieg, Ausgrenzung usw.

In der Schule musst du ein guter Sportler sein. Du musst genauso gut sein in Mathe wie in Biologie, Chemie und Physik. Und selbst wenn dich kaum interessiert, was gestern war, so muss du für Geschichte wissen, wann Kolumbus Amerika entdeckte und wie lange der 30-jährige Krieg dauerte.

Eine, besser mehrere Fremdsprachen musst du ebenso beherrschen wie Werken und Textiles Gestalten. Und auch in Religion bist du besser eine Leuchte. Außerdem musst du 24 verschiedene Gedichte auswendig lernen, die du dann – natürlich in bester Schreibschrift – alle im Deutschunterricht in dein Heft schreiben darfst.

Was für ein Quatsch. Wir sind alles Originale. Die Schule versucht aber, uns gleich zu machen. Erfolgreiche Entwicklung von Stärken sieht irgendwie anders aus.

Die „Schwächen“ des Albert Einstein

Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.– Albert Einstein

Das beste Beispiel ist Albert Einstein. Das ist der mit der Relativitätstheorie. Alberts Eltern hatten Sorge, dass er behindert sein könnte. Er hat erst im Alter von drei Jahren begonnen zu sprechen und konnte sich mit neun Jahren immer noch nicht so richtig fließend unterhalten.

Heutzutage hätte der Herrn Einstein ganz sicher eine „Karriere“ in diversen Förderschulen hinter sich.

Niemand kann alles und das ist auch gut so. Leider spielt uns unser Gehirn hier manchmal übel mit. Denn genauso wie es sich negative Dinge und Ereignisse besser und länger merkt als positive, genauso fokussiert es sich eher auf unsere Schwächen, als auf unsere Stärken.

Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass man nahezu jede Schwäche mit der Zeit auch in eine Stärke verwandeln kann. Aber den Knackpunkt habe ich schon genannt: Zeit! Es ist extrem zeitraubend und das Ergebnis meist nicht mehr als Mittelmaß. Ist es das wert?

Fokussiere dich auf deine Stärken – Der erste Schritt zu mehr Selbstbewusstsein

Richtig interessant wird es erst, wenn wir uns unserer Talente, unserer Begabungen, also unserer Stärken bewusst werden.

Statt darauf zu schauen, was du nicht kannst, solltest du dir vor Augen halten, was du alles richtig gut kannst.

Dich auf deine Stärken zu fokussieren verlangt weit weniger Aufwand und Willenskraft, als deine Schwächen ausmerzen zu wollen.

Werde dir deiner Stärken bewusst

Um dich voll auf deine Stärken zu konzentrieren, musst du erst mal herausfinden, was eigentlich deine Stärken sind. Klar, das eine oder andere wird dir spontan einfallen: „Ich kann gut schreiben und bin ein guter Fußballer.“

Aber so manch eine Stärke wird sich erst dann an die Oberfläche drängen, wenn du tief genug danach bohrst.

Schreibe deine Stärken auf

Ich empfehle dir ein leeres Blatt Papier oder meinetwegen ein hübsches Heft, auf oder in das du alle Stärken aufschreibst, die du dir zurechnest.

Frage dich dabei:

  • Worin bin ich besonders gut?
  • Was für besondere Fähigkeiten habe ich?
  • Welche Hobbys habe ich?
  • Was fällt mir auf der Arbeit leicht und warum?
  • Was schätzen andere Menschen an mir? (Hier hilft es, Menschen aus deinem Umfeld zu fragen, welche Stärken sie bei dir sehen)
  • Welche Erfolge hatte ich in der Vergangenheit und wie sind diese entstanden?

Schreibe ein Erfolgstagebuch

Um dich immer wieder an deine großen und kleinen Erfolge zu erinnern, solltest du täglich ein Erfolgstagebuch führen. Denk dran, unser Gehirn erinnert sich eher an die negativen, als an die positiven Sachen. Und mit dem Erfogstagebuch schlägst du ihm ein Schnippchen. Das wird deine Stärken stärken.

Wenn du dich sowohl privat, als auch beruflich ganz bewusst auf deine Stärken fokussierst, wird eine Menge  passieren. Du wirst automatisch erfolgreicher, wenn du das tust, was du liebst und auch noch richtig gut kannst. Und das wiederum macht dich glücklich.

Fazit

Die Lehrer machen auch nur ihren Job, aber glaub‘ ihnen nicht. Eine Note – egal ob gut oder schlecht – sagt noch nicht viel aus über deine Talente und Begabungen, über deine Stärken und Schwächen.

Meine Ausführen sollen nicht als Ausrede oder Freifahrtsschein dienen, um sich nicht verändern zu müssen. Im Gegenteil, Veränderung ist wichtig und gut. Aber nachhaltige Veränderung geschieht nur mit einer sinnvollen „Arbeit an deinen Stärken“.

Ich bleibe dabei: „Stärken stärken und Schwächen annehmen!“ Setze bei dem an, was du gut kannst, baue es weiter aus und werde glücklich und erfolgreich.

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